Türkei: „Wir sind nicht anderer Länder Flüchtlingsheim“

Dienstag, 10 September, 2019 - 10:26

Die Türkei hat ihre Drohungen wegen einer neuen „Flüchtlings“welle in Richtung Europa bekräftigt, sollte sie aus Europa nicht mehr Unterstützung erhalten. Der türkische Vizepräsident Fuat Oktay erklärte am Freitag während eines Besuchs in Italien wörtlich, die Warnung sei „weder eine Drohung noch ein Bluff. Dies ist eine Realität.“ Und: „Die Türkei ist weder anderer Länder Wächter noch ihr Flüchtlingsheim. Sie ist nicht das Land, das die Rechnung für Krisen zahlen wird, die andere Länder verursacht haben.“

Auch Präsident Erdogan hatte zuvor gewarnt, die Türkei könnte gezwungen sein, „ihre Türen zu öffnen“, wenn sie nicht mehr Unterstützung aus Europa bei der Versorgung der Flüchtlinge und der Schaffung einer „Sicherheitszone“ in Nordsyrien erhalte.

Die USA hatten Anfang August mit der Türkei die Schaffung einer solchen Zone entlang der türkischen Grenze zu den Kurdengebieten in Nordsyrien vereinbart. Erdogan sagte, die Türkei wolle mindestens eine Million ihrer 3,6 Millionen syrischen Flüchtlinge dort ansiedeln. Dafür plane die Türkei dort den Bau neuer Häuser. Wenn es keine Fortschritte bei ihrer Umsetzung gebe, werde die Türkei dies „in der letzten Septemberwoche auf ihre eigene Weise tun“, warnte Erdogan.

Der österreichische ÖVP-Chef und Ex-Kanzler Sebastian Kurz nahm Erdogans Ankündigungen zum Anlaß, seine Forderung nach einem Abbruch der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei zu erneuern. Man dürfe sich gegenüber der Türkei „keinesfalls erpreßbar machen oder gar auf Erpressungsversuche eingehen“, so Kurz. Die Türkei habe sich in den vergangenen Jahren in „Riesenschritten“ von der EU wegbewegt, anstatt sich Europa anzunähern.