Schwarze Bürgermeisterin von Chicago gibt nur Farbigen Interviews

Montag, 24 Mai, 2021 - 07:48

Umgekehrt gäbe es zweifellos einen Riesenwirbel – aber wenn das Opfer „nur“ Weißer ist, ist alles halb so schlimm. Diskriminierung der fragwürdigsten Sorte leistete sich jetzt die afroamerikanische Bürgermeisterin von Chicago, Lori Lightfood: zum zweiten Jahrestag ihrer Amtsübernahme gab sie demonstrativ nur nicht-weißen Journalisten Interviews.

Die demokratische Politikerin will mit ihrer Aktion auf die vermeintlich unhaltbaren Zustände im US-amerikanischen Journalismus aufmerksam machen. Sie sei, erklärte sie in einem Brief, schon seit Jahren darüber „schockiert“, daß die überwältigende Zahl der Medienvertreter in der US-Großstadt „weiß und männlich“ sei. Von den im Rathaus akkreditierten Journalisten seien nur wenige „of color“, also afroamerikanisch, latino-stämmig, mit asiatischen Wurzeln oder Nachfahren von Ureinwohnern.

Im Rathaus-Pressekorps gebe es zudem nicht eine einzige nicht-weiße Journalistin, führt die 58jährige Bürgermeisterin aus. „Keine einzige. Ich finde das inakzeptabel, und ich hoffe, Sie sehen das auch so.“ Daß dies mit vorhandenen oder auch nicht vorhandenen Qualifikationen zusammenhängen könnte, kommt Lightfood natürlich nicht in den Sinn.

Lightfoot war 2019 als erste Afroamerikanerin und erste offen homosexuelle Frau zur Bürgermeisterin von Chicago gewählt worden. Seither hält sie es für Chefsache, „für Diversität und Inklusion zu kämpfen“, schreibt sie. Ihr Schreiben beendet die linke Aktivistin auf dem Bürgermeistersessel mit einem Appell an die Medien, mehr nicht-weiße Journalisten und Journalistinnen einzustellen.

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