Moskauer Historikerin erinnert an Vernichtungspläne der Westalliierten

Sonntag, 6 Oktober, 2019 - 09:26

Vor dem Hintergrund der Gedenkveranstaltungen zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren hat die russische Historikerin Elena Ponomarewa, Professorin an der Moskauer Staatlichen Hochschule für internationale Beziehungen (MGIMO), auf die in der westlichen Berichterstattung durchweg unterschlagenen unterschiedlichen Kriegsziele der Westmächte und der Sowjetunion hingewiesen. Anders als die UdSSR unter Stalin hätten die Westalliierten nämlich das Ziel verfolgt, dem deutschen Volk maximalen physischen Schaden zuzufügen.

Im Unterschied dazu habe Stalin bereits 1942 in einem Befehl des Volksverteidigungskommissars der Sowjetunion unterstrichen, die Rote Armee habe ein „edles Ziel“, nämlich die Befreiung der Heimat vom Angreifer. In dem Befehl heißt es wörtlich: „Es wäre lächerlich, Hitlers Clique mit dem deutschen Volk, mit dem deutschen Staat zu identifizieren. Die Erfahrung der Geschichte besagt, daß die Hitlers kommen und gehen und das deutsche Volk und der deutsche Staat bleiben.“

Auch die sowjetische Presse, so die russische Historikerin, setzte auf einen „konstruktiven Umgang“ mit den Deutschen. So konterte die führende sowjetische Zeitung „Prawda“ im April 1945 einen Artikel des russischen Journalisten und Deutschenhassers Ilja Ehrenburg in der Zeitung „Roter Stern“ mit den Worten: „Genosse Ehrenburg spiegelt (…) nicht die öffentliche Meinung der Sowjets wider. Die Rote Armee, die ihre große Befreiungsmission erfüllt, kämpft für die Liquidierung der Naziarmee, des Hitlerstaates und der Hitlerregierung, hat sich aber nie zum Ziel gesetzt, das deutsche Volk auszurotten.“

Anders als die westlichen Alliierten, unterstreich die Moskauer Historikerin, tötete die Rote Armee auch keine zusätzliche halbe Million Zivilisten durch Luftangriffe. Und nie gab es in der Sowjetunion einen Plan wie den Morgenthau-Plan der USA, der auf die gezielte De-Industrialisierung der Deutschen abzielte. Dessen Ziel war es laut Ponomarewa, den Deutschen maximalen psychologischen und demographischen Schaden zuzufügen. Der Plan, der danach jedoch nicht zum Staatsprogramm wurde, hätte laut der Kritik des Ex-US-Präsidenten Herbert C. Hoover nur erfüllt werden können, wenn 25 Millionen Deutsche ermordet oder deportiert worden wären.