Libanons Präsident: Der Westen sabotiert die Flüchtlings-Rückführung nach Syrien

Mittwoch, 6 Mai, 2020 - 21:17

Ein brisanter Vorwurf an den Westen: westliche Länder behindern vorsätzlich die Umsetzung der Initiative Rußlands zur Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihr Heimatland und wollen damit eine „Bombe“ in den an Syrien grenzenden Ländern legen. Das erklärte jetzt der libanesische Präsident Michel Aoun gegenüber dem russischen Nachrichtenportal RIA Novosti.

Wörtlich sagte Aoun: „Wir haben uns davon überzeugt, daß die Rückkehr der Flüchtlinge in ihr Land von einer ernsthaften internationalen Entscheidung abhängt. (…) Die Völkergemeinschaft geht mit dieser Angelegenheit gewissenlos um. Sie wollen in den an Syrien grenzenden Ländern eine ‘Bombe’ in Gestalt von Flüchtlingen legen, selbst wenn dies zur Untergrabung der Gesellschaft, der Sicherheit und der Wirtschaft in solchen Ländern wie dem Libanon führen sollte.“

Der libanesische Staatschef unterstrich in diesem Zusammenhang, daß Beirut und Moskau wegen der Rückführung syrischer Flüchtlinge in engem Kontakt stünden, aber: „Bedauerlicherweise ist diese Initiative auf internationale Hindernisse gestoßen, die ihre Umsetzung behindern. Infolge dessen hat sich die Situation im Libanon zugespitzt. Wir sind der Meinung, daß Rußland und der Libanon eine ähnliche Auffassung zum Problem der Flüchtlinge aus Syrien haben“, so Aoun.

Westliche Länder behinderten die Rückkehr der Flüchtlinge unter dem Vorwand, daß eine endgültige politische Lösung der Syrien-Krise abgewartet werden solle, die „noch in ferner Zukunft“ liege. In den Augen des libanesischen Staatschefs könnte diese Zögerlichkeit verheerende Folgen für sein Land heraufbeschwören. Aoun zeigte sich aber zuversichtlich, daß am Ende die gemeinsamen Ziele Rußlands und des Libanon die Oberhand über die Strategie des Westens gewinnen würden.

Im Libanon mit vier Millionen Einwohnern leben derzeit rund zwei Millionen Flüchtlinge aus Syrien und 600.000 Flüchtlinge aus Palästina. Die libanesischen Behörden haben wiederholt um Hilfe gebeten.