Iran: Britischer Botschafter festgenommen

Freitag, 17 Januar, 2020 - 00:35

Das iranische Außenministerium hat den britischen Botschafter Rob Macaire in Teheran wegen dessen Beteiligung an einer Kundgebung für die Opfer der abgeschossenen ukrainischen Passagiermaschine einbestellt. Macaire wurde dabei mitgeteilt, daß seine Teilnahme an einer „illegalen Kundgebung“ gegen die diplomatischen Vorschriften verstoßen habe. Die Teilnahme habe nichts mit seinen Verpflichtungen als Vertreter seines Landes zu tun gehabt.

Macaire war am Samstagabend nach eigenen Angaben kurzzeitig festgesetzt worden, nachdem er an einer Trauerkundgebung in Teheran für die Absturzopfer teilgenommen hatte, unter denen auch Briten waren. Den Bericht über seine Teilnahme an Protestkundgebungen gegen die iranische Regierung wies er am Sonntag in einem Tweet zurück.

Er habe sich an „keinen Demonstrationen“ beteiligt, schrieb er. Vielmehr sei er zu einer „Veranstaltung gegangen, die als Trauerwache für die Opfer der Tragödie von Flug PS752 angekündigt war“. Macaire erklärte, es sei für einen Diplomaten völlig „üblich, den Opfern seine letzte Ehre zu erweisen“, zumal auch britische Staatsangehörige unter ihnen waren. Er sei nach rund fünf Minuten wieder gegangen, als erste regierungsfeindliche Slogans ertönt seien, erklärte er und fügte hinzu, die Festnahme von Diplomaten sei „illegal, in allen Ländern“.

Der britische Außenminister Dominic Raab hatte zuvor bereits von einem „eklatanten Verstoß gegen internationales Recht“ gesprochen.

Unabhängig vom aktuellen Vorfall fährt Großbritannien im anhaltenden Iran-Konflikt eine besonders aggressive Linie. Nach der Ermordung des iranischen Generals Soleimani hatten britische Stellen und Medien demonstrativ darauf hingewiesen, daß sich ein mit Tomahawk-Marschflugkörpern bewaffnetes britisches Atom-U-Boot bereits in Schußweite befinde und für einen Raketenschlag gegen den Iran bereit stehe.