Außenminister Kurz: EU-Umverteilungspläne für Flüchtlinge unrealistisch

Montag, 3 Oktober, 2016 - 12:00

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz hat die Europäische Union aufgefordert, nicht länger an der von ihr beschlossenen Umverteilung von Flüchtlingen auf alle Mitgliedstaaten festzuhalten. "Das Ziel ist völlig unrealistisch", sagte Kurz der "Welt am Sonntag" unmittelbar vor dem Referendum in Ungarn über eine Teilnahme an der Umverteilung.

Das Flüchtlingsproblem lasse sich nicht durch eine Verteilung nach Quoten lösen, sagte Sebastian Kurz. Sollten die 160.000 Flüchtlinge weiterhin in demselben Tempo wie bisher auf die EU-Länder verteilt werden, dauerte das 30 Jahre. Hinzu komme, dass die Debatte darüber den Zusammenhalt der gesamten Europäischen Union gefährden könne. "Sie ist ein gefährlicher Spaltpilz, der für Unruhe, Missverständnisse und Anfeindungen sorgt", sagte der ÖVP-Politiker.

Scharf kritisierte Kurz die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während des Flüchtlingsgipfels in Wien vor einer Woche, dass Deutschland künftig mehrere hundert Flüchtlinge pro Monat aus Griechenland und Italien aufnehmen werde. "Diese Politik ist falsch", sagte er. Ziel der geplanten Maßnahme sei offenbar, die beiden südeuropäischen Länder zu entlasten, erreichen aber werde sie das Gegenteil: "Es werden dadurch vermutlich noch mehr Flüchtlinge nach Griechenland und Italien kommen".

web.de (2.10.2016)

http://web.de/magazine/politik/fluechtlingskrise-in-europa/aussenminister-sebastian-kurz-nennt-eu-umverteilungsplaene-fluechtlinge-unrealistisch-31936286