Auf den Spuren der Osmanen: Die Hagia Sofia wird wieder Moschee

Donnerstag, 16 Juli, 2020 - 09:18

Jetzt ist es amtlich: die Hagia Sofia (derzeit türkisch: Ayasofya) in Istanbul wird wieder zur Moschee umgewidmet. Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hat jetzt den Weg dafür freigemacht. Das Gericht annullierte am Freitag den Status der einstigen Kirche als Museum. Die ersten muslimischen Gebete werden nach Angaben des türkischen Präsidenten Erdogan am 24. Juli stattfinden.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, daß die Hagia Sophia Eigentum einer von Sultan Mehmet II. gegründeten Stiftung sei. Der Sultan hatte die Hagia Sophia nach der Eroberung des damaligen Konstantinopel in eine Moschee umgewandelt. Laut Stiftung sei sie als Moschee definiert und dürfe nicht anders als zu diesem Zweck genutzt werden.

Die UNESCO bedauerte die Umwandlung in eine Moschee „zutiefst“. Generalsekretärin Audrey Azoulay habe gegenüber dem türkischen Botschafter am Freitagabend ihre tiefe Besorgnis zum Ausdruck gebracht, teilte die UNESCO mit. Die Entscheidung für die Umwandlung sei ohne vorangegangenen Dialog getroffen worden.

Auch die russisch-orthodoxe Kirche kritisierte den Schritt mit Nachdruck. „Die Sorgen von Millionen von Christen wurden nicht gehört“, sagte Wladimir Legoida vom Moskauer Patriarchat am Freitag der Agentur Interfax in Moskau. „Die Gerichtsentscheidung zeigt, daß alle Forderungen nach Zurückhaltung ignoriert wurden.“

Anhänger der türkischen islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit langem, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen. Vor allem Griechenland und Rußland sind wegen der Bedeutung der Hagia Sophia für die Orthodoxie gegen eine Änderung des Status. Die Entscheidung könnte die Spannungen zwischen der Türkei und dem Nachbarn Griechenland weiter verschärfen.