Worüber deutsche Medien nicht berichten: In Dijon proben Migranten den Bürgerkrieg

18.06.2020

Auch darüber erfährt man in den bundesdeutschen Mainstream-Medien praktisch nichts: im nordfranzösischen Dijon und jetzt auch in Nizza toben seit Tagen blutige Clan-Fehden zwischen nordafrikanischen und tschetschenischen Banden. Die Bilder, die in Lokalmedien und im Internet kursieren, erinnern an bürgerkriegsartige Ausschreitungen.

Mehreren Berichten zufolge zogen rund hundert Männer – zum Teil maskiert und mit Sturmgewehren (!), Eisenstangen, Baseballschlägern oder Messern bewaffnet – durch die Straßen des Problemviertels Les Grésilles, schossen in die Luft, zündeten Abfalleimer und Autos an und zerstörten Überwachungskameras. Es soll sich um eine „Strafexpedition“ von Tschetschenen gegen angebliche Drogendealer maghrebinischer Herkunft in Les Grésilles und die Reaktion der Angegriffenen darauf handeln. Die Tschetschenen, die einem Aufruf in den sozialen Medien gefolgt sein sollen, kamen zum Teil aus anderen Teilen Frankreichs sowie aus Belgien und Deutschland nach Dijon.

Die Polizeigewerkschaft Alliance PN bestätigte mittlerweile die Berichte. PN-Chef Ragonneau erklärte Medien gegenüber, die Bewaffneten seien „mit Schlagstöcken, Sturmgewehren und Kriegswaffen“ ausgerüstet gewesen. Der Vorfall könne nicht mit anderen Auseinandersetzungen in Vororten verglichen werden.

Die Auseinandersetzungen begannen in der Nacht von Freitag auf Samstag, als sich etwa hundert Tschetschenen im Zentrum versammelten. Sie griffen eine Bar an, die als Treffpunkt von Dealern gilt und deren Besitzer für einen Übergriff auf einen 16jährigen Tschetschenen verantwortlich gemacht wird. Die Polizei versuchte der Situation mit Tränengas Herr zu werden. In der folgenden Nacht trafen etwa 50 Tschetschenen auf Maghrebiner, es fielen Schüsse. Der Eigentümer einer Pizzeria wurde dabei durch einen Schuß in den Rücken schwer verletzt.

Auf Beiträgen in sozialen Netzwerken sind Videos zu sehen, in denen brennende Autos und vermummte Personen mit Schußwaffen zu sehen sind. In den Videosequenzen werden aus den Gewehren Schüsse abgegeben.

Am Sonntag sowie in der Nacht auf den Montag war erneut eine Gruppe von rund 200 Tschetschenen unterwegs, die zum Teil in Autos langsam umherfuhren. Dabei kam es zu einem Unfall, als ein anderes Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit an der Gruppe vorbeifuhr und sich danach überschlug. Während der Nacht blieb es in Les Grésilles weitgehend ruhig, doch im südwestlichen Vorort Chenôve wurden mehrere Fahrzeuge angezündet. Bisher wurden insgesamt zwölf Personen verletzt.

Die Behörden wurden von den Ausschreitungen ersichtlich überrascht. Der Bürgermeister von Dijon, François Rebsamen, ersuchte inzwischen den französischen Innenminister Castaner um Verstärkung der Sicherheitskräfte.

Am Sonntagabend kam es laut dem „Figaro“ auch in Nizza zu Zusammenstößen. Dort sei die Lage seit Wochen gespannt, schreibt die Zeitung. Am späten Abend wurde im Quartier Liseron, in dem der Drogenhandel floriert, geschossen. Drei Personen, zwei davon tschetschenischer Herkunft, wurden verletzt. Die Polizei verhaftete sechs Personen. Bürgermeister Christian Etrosi forderte eine Kompanie CRS an.

Bereits im April waren in Nizza zwei Tschetschenen durch das Feuer halbautomatischer Waffen verletzt worden; am 11. Juni waren erneut Schüsse zu hören, und ein von Messerstichen Verletzter mußte ins Krankenhaus. Zwei Tschetschenen wurden damals verhaftet.