US-Lauschangriff gegen Deutschland - mit Dänemarks Hilfe

03.06.2021

Es gibt einen neuen Abhörskandal, und es überrascht nicht, daß einmal mehr der US-amerikanische Spitzeldienst NSA eine Rolle darin spielt. Neu ist allerdings, daß der dänische Auslands- und Militärgeheimdienst Forsvarets Efterretningstjeneste (FE) willige Hilfsdienste für die NSA dabei leistete, unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere europäische Spitzenpolitiker abzuhören. Die Dänen gestatteten es demnach den amerikanischen Kollegen, einen wichtigen Unterwasser-Knotenpunkt anzuzapfen.

Der neue Abhörskandal, der kein gutes Licht auf die Solidarität der NATO-Partner untereinander wirft, kam durch gemeinsame Recherchen des Dänischen Rundfunks (DR), der deutschen Sender NDR und WDR sowie der „Süddeutschen Zeitung“ ans Licht. Demnach konnte die NSA in den Jahren 2012 bis 2014 dank dänischer Hilfe einen  Internetknotenpunkt verschiedener Unterseekabel anzapfen.

Die dänische Verteidigungsministerin Trine Bramsen, die seit Juni 2019 im Amt ist, wurde laut DR im August 2020 darüber informiert – und unternahm offenbar nichts. Den an der Recherche beteiligten Medien gegenüber erklärte sie freilich, „das systematische Abhören von engen Verbündeten“ sei inakzeptabel.

Zumindest in Schweden und Norwegen ist man auf die dänische Kollegin sauer. Medienberichten zufolge verlangt der schwedische Verteidigungsminister Hultqvist von Dänemark eine vollständige Orientierung über die Angelegenheit. Auch Bundeskanzlerin Merkel und der französische Präsident Macron verlangen inzwischen Aufklärung.