Ungarn kritisiert fehlende Meinungsfreiheit in Deutschland

10.04.2021

Nach dem Rauswurf des ungarischen Torwarttrainers Zsolt Petry durch Fußball-Bundesligist Hertha BSC (wegen vermeintlich „homophober“ und „ausländerfeindlicher“ Äußerungen) ist die ungarische Regierung nicht bereit, sich diese Gängelung eines Landsmannes in Deutschland bieten zu lassen. Das ungarische Ministerium für Außenwirtschaft und auswärtige Angelegenheiten bestellte nun den Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Budapest ein.

Schon zuvor bezeichnete der ungarische Kanzleramtsminister Gergely Gulyas den Rauswurf Petrys als „empörend“ und „Verletzung der Meinungsfreiheit“.

Petry hatte sich in einem Interview der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung „Magyar Nemzet“ kritisch zum Thema Zuwanderung geäußert und den Einsatz von Landsmann Peter Gulacsi, Nationalkeeper und Torwart von Bundesligist RB Leipzig, für einen Verein kritisiert, der unter anderem die Homo-Ehe unterstützt.

Der ungarische Außenminister Peter Szijartó wurde deutlicher: „Langsam stürzt die große Heuchelei in Sachen Presse- und Meinungsfreiheit zusammen: Ein Fußballer darf ruhig sagen, daß die Familie eine Familie ist [Anspielung auf den Wahlspruch des Vereins für Homo-Ehe; d. Red.], aber er wird hinausgeworfen, wenn er gegen den liberalen Mainstream zu Familie und Migration Stellung nimmt“, sagte der Minister.

In einer Erklärung des Außenministeriums heißt es zudem, daß Deutschland wie auch Ungarn „direkte historische Erfahrungen mit dem größtmöglichen Meinungsterror“ hätten, „weswegen die Überwachung des Grundrechts der Redefreiheit unsere gemeinsame moralische Pflicht ist. Unabhängig von der weltanschaulichen Basis ist die Beschränkung der Meinungsäußerung für die Ungarn inakzeptabel, weil sie ein System heraufbeschwört, wogegen Tausende unserer Landsleute ihr Leben geopfert haben.“