Trotz aller Unkenrufe und antirussischer Propaganda: „Sputnik V“ wird zum Exportschlager

07.02.2021

Vor dem Hintergrund des aktuellen Impfstoff-Desasters, das die Brüsseler EU-Spitze inzwischen freimütig einräumt, könnte Rettung jetzt ausgerechnet aus Rußland kommen – das von der EU seit Jahren mit harschen Sanktionen belegt wird. Denn Rußland hat, wovon die Westeuropäer zu wenig haben: einen verfügbaren Corona-Impfstoff. Noch dazu einen, der nicht im Verdacht steht, wegen der viel zu kurzen Testphase und seiner umstrittenen Wirkungsweise zu gefährlichen Nebenwirkungen zu führen.

Schon im August stellte Rußland als erstes Land der Welt seinen eigenen Corona-Impfstoff vor: „Sputnik V“. Damals noch scheel beäugt und heftig kritisiert, entwickelt sich Sputnik inzwischen zum internationalen Exportschlager. 19 Länder sind es mittlerweile weltweit, in denen der russische Impfstoff eingesetzt wird, von Argentinien bis Indien und auch im EU-Land Ungarn.

Die jüngste Studie des renommierten Fachjournals „The Lancet“, die ihm auch noch eine absolut konkurrenzfähige Wirksamkeit von über 90 Prozent bescheinigt, macht das russische Präparat zum Exportschlager. Auch wurden keinerlei außergewöhnliche oder gefährliche Nebenwirkungen registriert – während vor dem vom Westen favorisierten mRNA-Impfstoff nicht zuletzt Experten wie die Mediziner Sucharit Bhakdi („Corona Fehlalarm“) und Wolfgang Wodarg nachdrücklich warnen.

Der derzeit größte Sputnik-Kunde ist Indien, das 100 Millionen Dosen bestellt hat. Großkunden sind auch Nepal mit 25 Millionen, Ägypten mit 25 oder Brasilien mit 10 Millionen. Preislich ist Sputnik zudem auch niedriger als die Impfstoffe von Pfizer, oder Moderna.

Soeben hat mit Mexiko ein weiteres Land die Zulassung erteilt und mehrere Millionen Dosen bestellt. Am Donnerstag ist die erste Lieferung im Iran eingetroffen. Die Massenimpfung der 83 Millionen Iraner soll Ende Februar oder Anfang März beginnen. Die zuvor geäußerten Bedenken der iranischen Ärztekammer sind ausgeräumt.

Auch im Westen ist angesichts des eigenen Impfstoff-Desasters die Voreingenommenheit gegenüber der russischen Konkurrenz spürbar leiser geworden. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich grundsätzlich offen für eine Anwendung auch in Deutschland gezeigt. Jeder Impfstoff sei in der EU willkommen, aber zugelassen werde er nur, wenn er der zuständigen EU-Behörde EMA die notwendigen Daten vorlege, sagte die Kanzlerin am Dienstag in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“. Sie habe „mit dem russischen Präsidenten genau darüber gesprochen“, sagte sie.

Für Kremlchef Putin jedenfalls ist „Sputnik V“ ein handfester politischer Erfolg in bewegten Zeiten. Von „Propaganda“ spricht heute kaum mehr jemand, wenn vom russischen Corona-Impfstoff die Rede ist.