Syrien: Russland fliegt erstmals wieder Luftangriffe gegen Islamisten

05.06.2020

Erstmals seit März hat Rußland in Syrien wieder Luftangriffe gegen islamistische Milizen geflogen. Nach Beobachtungen der sogenannten „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ – deren Angaben allerdings schwer nachprüfbar sind – hat die russische Luftwaffe am Dienstagabend und Mittwochmorgen das nordwestliche Grenzgebiet zwischen den Provinzen Hama, Idlib und Latakia angegriffen. Der Nordwesten Syriens ist die letzte Hochburg islamistischer Milizen in dem Land.

Etwa die Hälfte der Provinz Idlib sowie Teile der angrenzenden Provinzen Hama, Aleppo und Latakia werden vom früheren Al-Kaida-Ableger Hajat Tahrir al-Scham (HTS) und anderen islamistischen Milizen kontrolliert. Die Regierungstruppen kontrollen demgegenüber inzwischen wieder rund 70 Prozent des Landes.

Mit den Luftangriffen sollen die islamistischen Milizen aus dem Gebiet entlang der strategisch wichtigen Autobahn M4 im Norden verdrängt werden. Rußland und die Türkei führen dort häufig gemeinsame Patrouillen durch. Außerdem sollen die HTS-Miliz und ihre Verbündeten aus dem Gebiet Sahl al-Ghab im Norden der Provinz Hama verdrängt werden, wo syrische und russische Streitkräfte präsent sind.

Anfang März hatten die syrische Regierungsarmee und die russischen Truppen ihre Militäroffensive gegen Rebellen und Dschihadisten nach einer von Rußland und der Türkei ausgehandelten Waffenruhe weitgehend eingestellt.