Schlag gegen Terrorgruppe in Libyen

22.03.2020

Die libysche Nationalarmee (LNA) von General Chalifa Haftar hat die zu Al-Kaida gehörende libysche Terrorgruppe Ansar al-Scharia erfolgreich bekämpft.

Die LNA besiegte damit einen der Feldkommandeure der international anerkannten, aber umstrittenen Streitkräfte der libyschen Regierung der Nationalen Einigung (GNA), den Führer der Omar-Mukhtar-Brigade, Ziyad Balaam. Am Mittwoch dem 18. März griffen Kämpfer der GNA zusammen mit syrischen Söldnern, die zuvor von der Türkei nach Tripolis verlegt worden waren, Stellungen der LNA in Ain Zara im Nordwesten des Landes an. Der LNA gelang es jedoch, den Angriff abzuwehren, dabei seien nach LNA-Berichten 36 Terroristen unter dem Kommando der GNA, darunter sechs hochrangige Feldkommandeure, getötet wurden.

Ziyad Balaam stand auch auf der UN-Terrorliste. Die Gruppe, zu der Ziad Balaam gehörte, Ansar al-Scharia, wurde von den Vereinten Nationen als eine mit Al-Kaida verbündete, militante Miliz eingestuft. Und das mit Recht: Ansar al-Scharia war eine der gewalttätigsten salafistischen Terrortruppen, die seit 2012 in Libyen operierten. Das Hauptziel der Organisation war die Umwandlung Libyens in einen „islamischen Staat“ in Übereinstimmung mit der Scharia. Nach Angaben der Vereinten Nationen betrieb die Ansar al-Scharia in Libyen mehrere Ausbildungslager „hauptsächlich zum Nutzen der mit Al-Kaida assoziierten Gruppen in Syrien und im Irak“. Obwohl Ansar al-Scharia jede offizielle Verbindung abstritt, lobte der ehemalige Emir der Gruppe, Mohamed al-Zahawi, in einem BBC-Interview 2012 offen Al-Kaida. Im Jahr 2014, nach dem Beginn der „Operation Würde“ durch General Haftar, war ein Teil der Ansar-al-Scharia-Terroristen zum IS übergelaufen ((darunter der Gründer der Ansar al-Scharia, Abu Sufyan Bin Qumu, und der hochrangige Funktionär Abu Abdullah al-Libi).

Ziyad Balaam arbeitete intensiv mit der GNA-Regierung von Ministerpräsident Fayiz as-Sarradsch zusammen. Ein Mitglied von Al-Kaida und gleichzeitig einer der Feldkommandeure des radikal-sunnitischen, sogenannten „Schura-Rates der Revolutionäre von Bengasi“ – griff im September 2012 mit einer Gruppe von Dschihadisten von Ansar al-Scharia das US-amerikanischen Konsulat in Bengasi an. Ziyad Bilaam leitete die Truppe der „Bengasi-Verteidigungsbrigade“, die damals schnell ihre Loyalität gegenüber der Sarradsch-Regierung erklärte.

Im selben Jahr versuchte die „Bengasi-Verteidigungsbrigade“, die LNA aus den ostlibyschen Ölgebieten zu vertrieben, scheiterte aber daran. Dieser Angriff wurde von Fathi Bashaga, dem derzeitigen Innenminister der GNA, aktiv unterstützt.

Ziyad Bilaam lebte bis April 2019 in Misrata. Nachdem die LNA den Beginn der letzten Phase ihrer Antiterroroperation bekannt gegeben hatte, floh Bilaam nach Tripolis, wo er sich offiziell den Feldkommandeuren der GNA anschloß. Das ganze Jahr über befehligte er terroristische Milizen in Ain Zara.

Nach dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi im Jahr 2012 listete auch die Türkei Ansar al-Scharia offiziell als Terrororganisation. Nachdem Ziyad Bilaam allerdings in den „Schura-Rat der Revolutionäre von Bengasi“ eintrat, ließ Ankara plötzlich alle Anschuldigungen gegen ihn fallen. Bilaam begann, regelmäßig nach Istanbul zu reisen. Nach seiner letzten Verwundung kursierte in den sozialen Medien das Gerücht, daß er von Tripolis in ein Istanbuler Krankenhaus transportiert wurde, wo er seinen Verletzungen erlegen sei.

Laut LNA-Quellen spielte er eine aktive Rolle bei der Verlegung syrischer Dschihadisten über die Türkei nach Tripolis und integrierte sie in die Streitkräfte der GNA, um sie gegen General Haftar und seine LNA kämpfen zu lassen.

Das „Syrische Observatorium für Menschenrechte“ veröffentlichte eine Studie zu diesem Thema, in der es heißt, daß die Türkei den Dschihadisten ein Gehalt von 2.000 bis 2.500 US-Dollar für einen Dreimonatsvertrag für deren Dienste in den Reihen der GNA anbietet. Nach Angaben des Observatoriums wurden bereits fast 2.400 syrische Söldner und Terroristen aus Nordsyrien nach Tripolis verlegt. Zudem seien etwa 1.700 weitere Rekruten bereits in der Türkei eingetroffen seien, um an Trainingskursen teilzunehmen, bevor sie nach Libyen verlegt werden.