Russischer Militärexperte: „Es gibt keinen einzigen selbständigen Staat in Europa“

15.06.2020

Zu den jüngsten angeblichen US-Truppenabzugsplänen aus Europa nahm jetzt der russische Militärexperte Viktor Litowkin im regierungsnahen russischen Nachrichtenportal „Sputnik“ Stellung. Er vertritt die Auffassung, daß die USA nicht ernstlich planten, sich aus Deutschland zurückzuziehen. US-Präsident Trump habe seine Versprechen „nie gehalten“. Der angebliche Abzugsplan sei ein „übler Werbetrick“.

Wörtlich sagte Litowkin im „Sputnik“-Gespräch: „Bald ging es um den Irak, bald um Afghanistan. Es sind leere Worte geblieben. Und falls er sie doch abziehen würde, kämen diese Truppen nach Polen, Griechenland oder ins Baltikum, also bleiben sie praktisch in Europa. Man vergißt ja nicht, daß aus den USA zur Truppenübung etwa 10.000 Militärs nach Deutschland gekommen sind. Also dürfte es sich bei den 9.500 lediglich um eine Ablösung der Einheiten handeln, die sich auf deutschem Boden befinden.“

Die US-Militärpräsenz in Europa verglich Litowkin mit einem der EU angelegten Halsband. Realistischer als ein amerikanischer Abzug aus Deutschland sei eher eine Verlegung der in der Bundesrepublik stationierten Truppen in ein anderes NATO-Land, vorzugsweise Polen.

Im übrigen brauchten die USA ihre Präsenz in Europa, „da sie auf diese Weise Europa lenken, das mit ihnen in Konkurrenz liegt. Um diesen Rivalen in seine Schranken zu verweisen, wirken sie eben in seinem Inneren. Es gibt heutzutage keinen einzigen selbständigen Staat in Europa. Und auch keine selbständige Führungsperson, weil diese von den Amerikanern bereits von Anfang an weggefiltert wird.“

Auch die Deutschen sollten sich deshalb nicht darauf nicht freuen, daß die Amerikaner abziehen. „Und erst recht nicht darauf, daß sie ihre Kernwaffen hinterlassen. Diese Frage wurde schon mehrmals ins Gespräch gebracht, aber die Amerikaner haben über die NATO den Beschluß durchgesetzt, Kernwaffen könnten aus einem beliebigen Land nur dann abgezogen werden, wenn alle NATO-Mitgliedsstaaten dafür votiert haben. Es versteht sich, daß Estland und Litauen das nicht tun würden.“