Pastor wegen „Volksverhetzung“ angezeigt: Schwulenkritik ist tabu

03.07.2020

Homosexuelle und andere Randgruppen stehen unter dem besonderen Schutz der bundesdeutschen Rechtsordnung – und da kann es dann mit der vielbeschworenen „Toleranz“ auch ganz schnell zu Ende sein. Diese Erfahrung macht derzeit Pastor Olaf Latzel von der Bremer St. Martini-Gemeinde. Gegen ihn wurde jetzt Anklage wegen „Volksverhetzung“ erstattet. Ihm wird zur Last gelegt, in einem Eheseminar im Oktober 2019 despektierliche Äußerungen über Homosexuelle von sich gegeben zu haben.

In der diesbezüglichen Mitteilung der Staatsanwalt heißt es wörtlich: „So bezeichnete der Angeschuldigte Homosexuelle generalisierend als Verbrecher und die Homosexualität als Degenerationsform der Gesellschaft.“ Menschen, die in Bezug auf ihre Geschlechtsidentität von der angeblichen Norm abweichen, würden als „Genderdreck“ und als Angriff auf die göttliche Schöpfungsordnung bezeichnet, so die Staatsanwaltschaft weiter.

Latzels eigene Gemeinde knickte, wie in solchen Fällen üblich, prompt ein. Ein Mitglied des Gemeindevorstands erklärte in einer Audio-Botschaft, daß eine Bibelstunde unter der Leitung von Pastor Latzel ausfallen mußte. Grund dafür sei eine einstweilige Verfügung der Bremischen Evangelischen Kirche. Der Kirchenvorstand will sich noch ausführlicher zu den Vorgängen äußern.

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) teilte unterdessen mit, daß die Kirchenleitung Latzel zu einem weiteren Dienstgespräch geladen habe – vermutlich ebenfalls nicht, um ihm den Rücken zu stärken.