Pädo-Kriminellen-Netzwerk: Polizei geht 30.000 Spuren nach

30.06.2020

Im Zuge des Mißbrauchskomplexes „Bergisch Gladbach“ geht die Polizei inzwischen bis zu 30.000 Spuren nach, die zu Verdächtigen führen könnten. Das hat jetzt das nordrhein-westfälische Justizministerium in Düsseldorf mitgeteilt. Es gehe dabei nicht nur um die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie, sondern auch um schweren Kindesmißbrauch. Die groß angelegten Mißbrauchsermittlungen zu einem bundesweiten Kinderpornografie-Tauschring hatten im vergangenen Oktober mit der Festnahme eines Mannes in Bergisch Gladbach ihren Ausgang genommen.

Mittlerweile sprechen die Behörden von internationalen „pädokriminellen“ Netzwerken mit Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. Es geht dabei nicht nur um die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie, sondern auch um schweren Kindesmißbrauch. In Gruppenchats mit Tausenden Nutzern und in Messengerdiensten tauschten sich die Täter dabei über ihre Mißbrauchstaten aus, heizten sich an und gäben sich Tipps, etwa, welche Beruhigungsmittel man Kindern am besten verabreiche, um sie sexuell zu mißhandeln.

„Wer zögert, wird von den anderen ermutigt und bedrängt, seine Absichten in die Tat umzusetzen“, teilte der nordrhein-westfälische Justizminister Biesenbach (CDU) mit. In den Chats würden auch Verabredungen zum Mißbrauch mehrerer Täter an einem Kind getroffen. Es handle sich um eine „neue Dimension des Tatgeschehens“, sagte der Minister und bekannte: ihm sei „speiübel geworden“. „Wir müssen erkennen, daß Kindesmißbrauch im Netz weiter verbreitet ist, als wir bisher angenommen haben.“

Die Selbstverständlichkeit der Kommunikation über die Taten sei „in höchstem Maße irritierend“ und „zutiefst verstörend“, sagte Biesenbach. Es sei zu befürchten, daß in einer solchen Atmosphäre die Hemmschwellen sinken und auch Männer Mißbrauchstaten begingen, die ohne entsprechendes Umfeld davor zurückgeschreckt wären. Ziel sei nun, diese Täter und Unterstützer von Kindesmißbrauch aus der Anonymität des Internets herauszuzerren.

Schon bei einer Zwischenbilanz der Ermittlungen Ende Mai hatte der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob erklärt: „Wir sind mit den Ermittlungen beileibe nicht am Ende.“ Bei ihren Nachforschungen unter anderem in Internetforen und Chatrooms hätten die Beamten Einblicke in Straftaten gewonnen, „die das Vorstellungsvermögen der meisten Menschen sprengen“. Den „Pädokriminellen“ sagte der Polizeipräsident offen den Kampf an.