Multipolare Ordnung: Russland und China koppeln sich von SWIFT ab

29.03.2021

Als Reaktion auf immer neue Sanktionen des Westens schließen sich Rußland und China auch auf dem Finanzsektor enger zusammen. Jetzt steht offenbar das seit langem geplante russisch-chinesische Zahlungsabkommen vor dem Abschluß, das dem amerikanischen SWIFT-System zumindest im Bereich der Eurasischen Wirtschaftsunion Konkurrenz machen soll.

Der russische Außenminister Lawrow kündigte dieser Tage bei einem Staatsbesuch im chinesischen Guilin an, daß beide Staaten das Sanktionsrisiko verringern könnten, wenn sie ihre finanzielle Unabhängigkeit stärkten. Lawrow sprach in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch ein Abkoppeln von westlichen Zahlungssystemen an. Bei dem Treffen mit dem chinesischen Amtskollegen Wang Yi sagte er wörtlich:

„China und Rußland wollen nun ihre technologische Unabhängigkeit stärken und auf Abrechnungen in nationale Währungen und in Weltwährungen umsteigen, die eine klare Alternative zum Dollar sind.“

Die Systeme, die vom Westen kontrolliert werden, sollten künftig nicht mehr zur Verwendung kommen. Lawrow gab auch seiner Einschätzung Ausdruck, die USA versuchten die Möglichkeiten der technologischen Entwicklung Rußlands und Chinas einzuschränken.

Ein Abschalten des SWIFT-Systems für Banken eines anderen Landes nannte der Chef der russischen Staatsbank VTB, Andrej Kostin, schon vor einiger Zeit in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ eine „finanzielle Atombombe“.

Auch Ex-US-Präsident Donald Trump hatte nach dem einseitigen Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen mit Teheran 2018 die SWIFT-Banken unter Druck gesetzt. Diese sollten iranische Banken vom Zahlungssystem ausschließen. Seither sind westliche Finanzabwicklungen mit dem Iran kaum noch möglich – und weitere Konkurrenzmächte der USA wie Rußland und China in Alarmbereitschaft.

Die beiden Länder haben bereits eigene Kreditkartenfirmen gegründet. Seitdem sind sie von US-Marktführern wie Visa und Mastercard unabhängig.