Kampfsprache – Die Migrationslobby und ihre „Formulierungshilfen“

01.05.2016

Sprache ist nicht nur ein Verständigungsmittel, sondern auch ein Kampfinstrument. Wer die Macht über Begriffe und Definitionen hat, hat damit auch die Macht, das Denken in gewünschte Bahnen zu lenken. Der durchschnittliche Medienkonsument merkt es in der Regel selten, wenn gewohnte Begriffe langsam wegfallen und durch neue ersetzt werden. Nur besonders dreiste Versuche, Worte mit einem öffentlichen Bann zu belegen, fallen auf, wenn etwa der „Mohrenkopf“ diskriminierend sei soll. Daß der Kampf um die Sprache und mit den Mitteln der Sprache tatsächlich ein Machtkampf ist, hat ZUERST!-Kolumnist Manfred Kleine-Hartlage in seinem Buch Die Sprache der BRD einer klugen Analyse unterzogen und die öffentliche Sprache unserer Republik als „Kampfsprache“ entlarvt.

„Es gehört zur Grundausstattung des Menschen, Sprache als soziale Gegebenheit anzunehmen, sie eben nicht zu hinterfragen und sich des angebotenen Wortmaterials zu bedienen“, stellt der Autor in seiner Einleitung fest. Genau dies kommt den hiesigen politischen Eliten zugute, denn wer sich nicht bewußt ist, daß er die Rolle eines „Objekts“ in einem Machtkampf erfüllt, ist entsprechend wehrlos. (…)

Zum Beispiel die „neuen deutschen Medienmacher“ (NDM), ein 2008 gegründetes Netzwerk mit rund 1.100 Mitgliedern. Laut Selbstdarstellung sind die NDM ein „bundesweiter Zusammenschluß von Medienschaffenden mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Kompetenzen und Wurzeln“, der sich „für mehr Vielfalt in den Medien“ einsetzt. An anderer Stelle bezeichnet sich das Netzwerk als „Interessenvertretung für Medienschaffende mit Migrationshintergrund“, es geht also um Lobbyarbeit, um Einfluß, und zwar auch auf die Sprache. Ein Beispiel für diese Arbeit ist ein bereits in dritter Auflage vorliegendes Glossar, das „Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ geben will. Hier wird Munition für den Sprachkampf geliefert.

Die Macher der Schrift gehen dabei sehr clever vor, indem sie suggerieren, daß sie einen Beitrag zu präziseren Formulierungen leisten wollen und so den Redaktionen eine „Hilfestellung“ für deren tägliche Arbeit anbieten. Daß diesem Ziel jedoch eine Reihe ideologischer Prämissen zugrunde liegt, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Eine dieser unausgesprochenen Prämissen ist etwa, daß eine Differenzierung nach „Eigenem“ und „Fremdem“ als prinzipiell unzulässig angesehen wird. Auch gilt der Grundsatz, daß die ethnische oder kulturelle Herkunft eines Menschen keinerlei Einfluß auf sein Verhalten oder seine Lebensumstände hat und somit komplett bedeutungslos ist. Das allerdings ist pure Ideologie und trägt eben nicht zu mehr sprachlicher Präzision bei – das Gegenteil ist der Fall.

Wer „Deutscher“ ist, definiert sich den Autoren zufolge allein über die Staatsangehörigkeit. „Als Adjektiv oder Substantiv sollte der Begriff nicht dazu dienen, eine ethnische Zugehörigkeit und damit nur die herkunftsdeutsche Bevölkerung zu beschreiben“, mahnen die Sprachkämpfer. Abzulehnen sei daher auch die Formulierung „Ausländer mit deutschem Paß“, ein „diskriminierender Widerspruch“, es müsse korrekt „Deutscher mit Einwanderungsgeschichte“ heißen. Mit dem Begriff „Einheimische“ ist das auch so eine Sache, der erzeuge nämlich „ein schiefes Bild, weil viele Eingewanderte und ihre Kinder hier längst heimisch sind“. Nichts falsch macht dagegen, wer jeden mit Migrationshintergrund als „neuen Deutschen“ apostrophiert, dies untermauere nämlich den „Anspruch auf Zugehörigkeit“.

Höchst verdächtig macht sich indes, wer von Parallelgesellschaften, von Integrationsverweigerern oder gescheiterter Integration spricht. Letzeres unterstelle, daß zum Beispiel Gesetzesverstöße von den Betreffenden nur begangen werden, „weil die deutsche Gesellschaftsordnung abgelehnt und statt dessen einer vermeintlich archaischen Einwandererkultur mit eigenen Regeln gefolgt wird“. Tatsächlich seien doch „mangelnde Chancengleichheit“ und „soziale Benachteiligung“ die Ursachen. Bei diesen Ausführungen quillt die Ideologie quasi aus jedem Buchstaben. Grund genug, den „neuen deutschen Medienmachern“ genau auf die Finger zu schauen, zumal der Druck der zweiten und dritten Auflage des Glossars auch noch von der Amadeu Antonio Stiftung finanziert wurde.

Dorian Rehwaldt

Deutsches Nachrichtenmagazin ZUERST! (Mai 2016)