Im Visier der Meinungszensoren: Telegram-Messenger

12.11.2020

Der russische Messenger-Dienst Telegram gerät immer mehr ins Visier der Meinungszensoren. Denn: anders als Facebook, youtube und WhatsApp entzieht sich Telegram bislang weitgehend den üblichen Zensurmechanismen und bietet nicht zuletzt politischen Oppositionellen ein Rückzugsgebiet der freien Meinungsäußerung.

Deutschen Behörden ist das ein Dorn im Auge, und sie erhöhen sukzessive den Druck auf Telegram. Jetzt liefern die „Forscher“ Jakob Jünger und Chantal Gärtner von der Uni Greifswald weitere Munition gegen Telegram. Sie hatten im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) 913 Telegram-Gruppen und Kanäle unter die Lupe genommen – insgesamt 6100 Angebote und darin 360.000 Mitteilungen.

Die meisten „illegalen Inhalte“ seien in den Bereichen Rechtsextremismus, Pornografie, Drogen- und Dokumentenhandel entdeckt worden. Auch seien besonders Kanäle mit Bezügen zu verbotenen Organisationen und Kennzeichen auffällig. Telegram habe sich zu einem „Hafen der Verbannten“ entwickelt.

Die einschlägig tätige LfM ist darüber nicht glücklich: „Wir kommen an der Erkenntnis nicht vorbei, daß sich die Organisationsform von Telegram der Rechtsdurchsetzung strukturell entzieht und daß das systematisch mißbraucht wird“, nörgelt LfM-Direktor Tobias Schmid in Düsseldorf. Man werde jetzt die „Aufsichtstätigkeit entsprechend erweitern, und es wäre sicher eine gute Idee, wenn der Gesetzgeber seinen Fokus gleichfalls ausweitet“.