Hofer sieht "Kosovo als Teil Serbiens"

01.06.2016

Schon im Hofburg-Wahlkampf hatte sich der Freiheitliche über den Kosovo geäußert. Österreich hat die frühere serbische Provinz 2008 anerkannt.

Der Dritte Nationalratspräsident und freiheitliche Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Norbert Hofer, hat in Serbien mit einer Aussage zum Status des Kosovos für Aufsehen gesorgt. "Kosovo ist Teil von Serbien", zitierte das serbische Boulevard-Blatt "Kurir" am Montag aus einem Interview mit dem blauen Chefideologen. Hofer-Sprecher Konrad Belakowitsch kommentierte die Aussagen vorerst nicht.

Pikant wirkt das Zitat deswegen, weil die frühere serbische Provinz Kosovo im Jahr 2008 ihre Unabhängigkeit erklärt hat. Österreich war eines der ersten Länder, das den Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt hat. Insgesamt taten dies bis zum heutigen Tag 111 Länder, darunter 23 der 28 EU-Staaten. Serbien akzeptiert die Unabhängigkeit seiner früheren Provinz nicht, eine Aufnahme in die UNO scheitert am Widerstand der Vetomächte Russland und China.

Gegen Aufnahme des Kosovos in internationale Organisationen

Bereits während des Präsidentschaftswahlkampfes hat sich Hofer gegen eine Aufnahme des Kosovos in internationale Organisationen ausgesprochen. Zudem hat sich der FPÖ-Politiker immer wieder für die Anliegen nationalistischer Serben in Bosnien-Herzegowina stark gemacht. Bei einem Besuch des umstrittenen Präsidenten der Republika Srpska, Milorad Dodik, im September 2015 in Wien, erklärte Hofer etwa, dass er die "Bestrebungen der Republika Srpska hinsichtlich einer eigenen selbstbestimmten Zukunft zu 100 Prozent unterstützt".

In Österreich leben nach Angaben der Statistik Austria mit Stichtag 31. Oktober 2013 (neuere Daten liegen derzeit nicht vor) exakt 130.404 Personen mit Geburtsland Serbien - davon entfallen auf jene mit österreichischer Staatsbürgerschaft 42.000, wie eine Anfrage der "Presse" ergab. Demgegenüber standen 2013 exakt 30.103 Personen, die in Österreich leben, jedoch im Kosovo geboren worden sind.

diepresse.com (30.5.2016)