Französischer Islamwissenschaftler warnt: Frankreich kippt bal

04.02.2020

Französische Islamwissenschaftler sind alarmiert: radikale Islamisten sind offenbar auf dem besten Weg, ganze Stadtviertel unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie zwängten ihre extrem konservativen Normen der muslimischen Gemeinde auf. Der Staat, obwohl der Laizität verpflichtet, reagiere hilflos. Das ist in etwa die Botschaft einer brisanten Buch-Neuerscheinung des Islamwissenschaftlers Bernard Rougier. Er hat über mehrere Jahre hinweg zusammen mit seinen Studenten Feldstudien in einschlägigen Stadtvierteln betrieben. Seine Ergebnisse stellt er jetzt in seinem Buch vor.

Rougier beschreibt unter anderem, wie religiöse Agitatoren versuchen, den Problemvierteln ihre Agenda aufzuzwingen. Seine Warnung ist deutlich: „Wir haben es mit einem Paralleluniversum zu tun. Es geht im Grunde um den Konflikt zwischen zwei gegensätzlichen Weltbildern: dem der Emanzipation, der Aufklärung und dem salafistischen Verständnis von einem Gott, der die ungeteilte Aufmerksamkeit und das ganze Engagement des Gläubigen einfordert.“

Die salafistischen Prediger schüfen eine Art „Festung“, Enklaven innerhalb der Gesellschaft, die für Außenstehende nicht mehr zugänglich seien.

Tatsächlich haben auch die französischen Sicherheitsdienste in einer geheimen Analyse, über die das „Journal de Dimanche“ jüngst berichtete, 150 Territorien ausgemacht, die sich bereits in der Hand der Islamisten befinden.

Die Experten, von denen Buchautor Rougier nur einer ist, weisen darauf hin, daß die Taktik der Übernahme stets gleich sei. Es beginne immer damit, daß die Prediger Dinge für unrein und verboten erklären: bestimmte Sachen zu essen, Frauen die Hand zu geben, Juden oder Christen als Freunde zu haben, seinen Körper zu zeigen. Rougier: „Das hat man zuerst in den Umkleideräumen der Fußballvereine gesehen, daß man sich nicht mehr nackt unter die Dusche stellt, weil das den Keuschheitspredigten widerspricht.“

Auch das Tragen des Schleiers sei in bestimmten Gegenden für Frauen mittlerweile unausweichlich. Frauen, die dies nicht tun, liefen Gefahr, geschlagen und vergewaltigt zu werden. Zugleich bräuchten die Frauen den Schleier als eine Art Versicherungspolice gegen Überfälle.  Denn Kriminelle lassen verschleierte Frauen in Ruhe.

Außenstehende – also Nicht-Muslime – würden in den „gekippten“ Vierteln gar nicht mehr geduldet. Wer nicht dazu gehöre, werde schnell von jungen Männern unter Androhung von Gewalt zum Gehen aufgefordert. Kinder sollen nicht mehr in die öffentlichen Schulen gehen. Stattdessen würden sie in islamischen Einrichtungen, in illegalen Koranschulen oder per Internet unterrichtet. Auf diese Weise bringen die Islamisten Stück für Stück das gesellschaftliche Leben in den Moslemgemeinden unter ihre Kontrolle, sagt Rougier.

„Und von da an können sie als Wortführer der Gemeinde auftreten und von den Behörden Dinge einfordern, zum Beispiel den Bau einer neuen Moschee. So verschiebt sich das Kräfteverhältnis mit den staatlichen Institutionen immer mehr, und das ist auch ihr Ziel.“

Eine besonders fragwürdige Rolle spielen bei der Übernahme durch den Islam im übrigen französische Parteien, die sich auf kurzsichtige Übereinkünfte mit den Islamisten einließen. Häufig gibt es sogar eine Art Komplizenschaft zwischen Islamisten und Lokalpolitikern. Um nicht als islamfeindlich dazustehen, komme man dem muslimischen Einfluß immer wieder entgegen – und gebe zum Beispiel „strategische“ Posten in der Stadtverwaltung preis, etwa die Zuständigkeit für Wohnungen, für die Beschäftigung, für Sport- und Kulturvereine, für die Jugend.

So wird die Lokalpolitik in gewisser Weise durch die religiösen Netzwerke zersetzt, diagnostiziert Rougier. Die französische Republik sei auf dem Rückzug.