Folgt auf Corona die Rückkehr der Inflation?

03.02.2021
Dass die Maßnahmen gegen Corona nicht ohne Folgen bleiben werden, ist wohl jedem bewusst. Wenn die Aussetzung der Pflicht zur fristgerechten Stellung von Insolvenzanträgen ausläuft, wird es zu einer massiven Pleitewelle kommen. Doch nicht nur das Herunterfahren der Wirtschaft wird Konsequenzen haben.

Die gigantischen Mittel, die allein im Jahr 2020 bereitgestellt wurden, um die ökonomischen Nebenwirkungen der Lockdowns abzufedern, haben Deutschlands Verschuldung deutlich erhöht. Dass die Ausweitung der Geldmenge noch nicht zu einer spürbaren Steigerung der Inflation geführt hat, liegt vor allem daran, dass die Bürger aufgrund von Zukunftssorgen das Geld beisammenhalten und noch nicht über Konsum wieder in Umlauf bringen.
Doch mehrere Ökonomen haben bereits darauf hingewiesen, dass wir im neuen Jahr eine deutliche Steigerung der Inflation sehen könnten. So konstatierte der frühere Chef des ifo-lnstituts, Hans-Werner Sinn, dass die derzeitige Niedrigzinspolitik dazu führe, dass die Banken Geld horten.
Was bereits jetzt die Aktienmärkte und Immobilienpreise betrifft, dürfte sich schrittweise auch auf die Verbraucherpreise auswirken. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Inflation anzieht, sondern in welchem Ausmaß. Laut Sinn »lässt sie sich geldpolitisch nicht mehr bremsen«. Auch der Ökonomie-Professor Charles Goodhart geht von einer Teuerungsrate von 5-10 Prozent aus und führt dies neben den Corona-Folgen vor allem auf die Alterung der europäischen Gesellschaften zurück.
Schon jetzt ist die Inflation sehr ungleich verteilt. Während die Preise für Benzin und Energieprodukte in den vergangenen Monaten aufgrund von nachlassender Konjunktur abgenommen haben, zogen sie im Lebensmittel-Bereich und bei Bauprodukten deutlich an. Eine Inflationsrate in Höhe von zwei Prozent wird seitens der EZB als sinnvolles Ziel angesehen, darüber hinaus allerdings könnte es sozial und wirtschaftlich problematisch werden. In Zeiten anhaltender Niedrigzinsen führt eine ansteigende Inflation über dem Niveau dessen, was die Ersparnisse an Rendite abwerfen, zu einer schleichenden Enteignung der Bürger durch Entwertung ihrer Rücklagen.
Die Folgen der Krise würden abermals von der breiten Masse der Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen finanziert, die nur in den wenigstens Fällen über Geldanlagen verfügen, die Renditen über dem Inflationsniveau von zwei Prozent generieren. Sinn dazu weiter: »Die Gelackmeierten sind die Geldhalter. Davon gibt es in Deutschland sehr viele.«
Gigantische Staatsverschuldung führt zu einem Verfall des Geldwertes und damit auch zu einem Verlust des Vertrauens in die Währung an sich. Und so könnte neben Millionen Bürgern und Verbrauchern der Euro einer der größten Verlierer der Corona-Krise sein. Das wäre, denkt man langfristig und national, sicher nicht das Schlechteste und eine gute Chance für einen währungs- und geldpolitischen Neuanfang.