Den USA droht eine fragwürdige „Perestroka“

10.07.2020

Der russische Finanzanalyst, Publizist und Journalist Iwan Danilow hat auf frappierende Ähnlichkeiten zwischen dem Zusammenbruch der früheren UdSSR und den aktuellen Ereignissen in den USA hingewiesen. Als auffälligste Gemeinsamkeit sticht dem russischen Analytiker der „allgemeine Vertrauensverlust in Bezug auf Grundwerte und Ideologie, auf die sich das Land stützte“, ins Auge. Er trete sinnfällig im „obsessiven Abriß von Denkmälern“ und dem Umbenennen von Straßen zutage.

Gleichzeitig werde in der öffentlichen Diskussion immer häufiger die Einsicht thematisiert, „daß ein Amerika als Nation im Grunde gar nicht existiert“. Stattdessen existierten acht „Protonationen“ auf dem Territorium der USA, „die wenig Liebe und wenig Verständnis füreinander haben“ – nicht anders als in der von Gorbatschow abgewickelten früheren Sowjetunion, die prompt in ihre Bestandteile zerfiel.

Bisher, stellt Danilow fest, fehlte den USA im Gegensatz zur ehemaligen UdSSR nur noch das Programm einer „Perestroika“, einer Umgestaltung der politischen und gesellschaftlichen Strukturen, wie es seinerzeit Gorbarschow vertrat. Doch jetzt versuche sich eines der amerikanischen Leitmedien, die „New York Times“, mit einer programmatischen Artikelfolge unter der Überschrift „The America We Need“ („Das Amerika, das wir brauchen“) als Schrittmacherin einer „US-Perestroika“, wobei das „Rassenproblem“ eine zentrale Rolle spielt.

Das dabei formulierte Programm, so Danilow, enthalte „ein Bündel fulminanter Maßnahmen, die geeignet sind, entweder eine soziale Disruption oder eine tiefe Wirtschaftskrise oder beides gleichzeitig auszulösen“. So fordert die „New York Times“ unter anderem einen Schuldenschnitt für alle Afroamerikaner, eine Änderung des Zentralbankgesetzes, wobei die Arbeitslosenrate unter schwarzen Amerikanern als „Effektivitätskriterium der Federal Reserve“ eingeführt werden soll; und nicht zuletzt soll es künftig Immobilien- und Unternehmenskredite zum Nullzins geben – ebenfalls nur für Afroamerikaner.

„Und damit kein Konservativer das neue System jemals wieder ändern kann, soll auch das amerikanische Wahlrecht dahingehend reformiert werden, daß die US-Demokraten ewig weiterregieren können – auch mittels der anrüchigen Briefwahl“, schreibt Danilow. Sollte es dazu kommen, daß dieses Konzept in die Realität umgesetzt wird, „wäre es nicht das erste Mal, daß Teile der Elite ihre eigenen Interessen und Machtabsichten über die Interessen des Landes, der Wirtschaft und der Gesellschaft stellen“.

Im übrigen haben die Amerikaner nach Einschätzung des russischen Beobachters nicht wirklich eine gute Wahl, was ihre Zukunft angeht. Faktisch gebe es nur zwei Alternativen, die allerdings beide mit erheblichen Folgen entweder für die US-Bürger oder für den Rest der Welt verbunden seien: „Entweder eine Perestroika von Salonsozialisten oder ein hurrapatriotischer Wirtschaftsnationalismus, der allein auf dem Märchen von amerikanischer Ausschließlichkeit auf allen Gebieten, die mit Geld, Waffen und Wissenschaft zu tun haben, basiert.“