Corona: Keine Kontrollen an deutschen Flughäfen

04.04.2020

Ein ernüchternder Befund: trotz weitreichender Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens in Deutschland gibt es an den Flughäfen kaum Kontrollen. Nach Recherchen der „Welt“ finden Gesundheitsprüfungen und Kontrollen vielfach nur oberflächlich oder überhaupt nicht statt – insbesondere bei deutschen Staatsangehörigen, die derzeit aus aller Welt zurückgeholt werden.

Dem Auswärtigen Amt zufolge sind bereits 187.000 Urlauber aus dem Ausland zurückgeholt worden. Allein das Außenministerium habe 170 Sonderflüge organisiert.

Passagiere erzählten unter anderem von scharfen Kontrollen, Wärmebildkameras und Menschen, die ausnahmslos Schutzmasken getragen hätten – aber nur im Ausland, unter anderem auf Sri Lanka, in Taipeh oder Tokio.

In Frankfurt am Main dagegen: keine Kontrollen, freier Transit, keine Formulare. Die Fluggäste können ohne weitere Veranlassungen das Gelände verlassen. Befragte, die über die vom Auswärtigen Amt organisierten Rückholflüge zurückgekehrten, berichten sogar von Fällen, in denen Kontrollen selbst bei Passagieren unterblieben wären, die mit Krankheitssymptomen ins Flugzeug gestiegen seien.

Ein Lufthansa-Sprecher teilte der „Welt“ mit, es werde nicht befördert, wer „erkennbar krank“ sei – was aber lediglich durch „Inaugenscheinnahme“ eingeschätzt werde. Das Personal sei nicht befugt, Gesundheitskontrollen durchzuführen.

Es gebe auch noch Ansagen, beim Boarding und Ausstieg die Distanz zu wahren. Immerhin sei die Wahrscheinlichkeit, sich an Bord anzustecken, „extrem gering“. Die Luft fließe aufgrund der Konstruktion der Klimaanlage vertikal und nicht horizontal.

Von Fiebermessungen, wie sie auf asiatischen Flughäfen verbreitet sind, hält man in deutschen Gesundheitsämtern wenig. Sie wären aufwendig, ohne Sicherheit zu bringen. Symptomfreie Infizierte und solche, die fiebersenkende Medikamente eingenommen hätten, könnten diese Kontrollmaßnahmen problemlos umgehen.