Nach Polen jetzt auch Griechenland: Athen will 290 Milliarden Reparationen von Deutschland

23.04.2019

Jetzt ist es amtlich: Griechenland will von Deutschland Schadenersatzzahlungen in massiver Höhe wegen der im Zweiten Weltkrieg erlittenen Schäden. Diplomatische Schritte sollen schon bald eingeleitet werden, heißt es aus Athen. Für Deutschland ist das Thema jedoch abgeschlossen. Jetzt fragen sich Beobachter, ob der Fall am Ende vor internationalen Gerichten ausgehandelt werden muß.

Einer griechischen Expertenkommission zufolge steht eine Summe von bis zu 290 Milliarden Euro im Raum. Mit großer Mehrheit stimmte das Plenum des griechischen Parlaments am Dienstag für eine Vorlage von Parlamentspräsident Voutsis, mit der die griechische Regierung aufgefordert wird, alle notwendigen diplomatischen und rechtlichen Schritte einzuleiten.

Zunächst soll es sich dabei um eine sogenannte Verbalnote handeln, üblicherweise die schriftliche Nachricht eines anderen Staates an das deutsche Außenministerium. „Die Forderung von Reparationszahlungen ist für uns eine historische und moralische Pflicht“, sagte Regierungschef Tsipras in seiner Rede vor dem Parlament. Gleichzeitig beteuerte er, er habe das Thema nicht mit der Finanzkrise der vergangenen Jahre und den Schulden des Landes verquicken wollen. Jetzt aber, nach dem Ende der internationalen Hilfsprogramme, sei der richtige Zeitpunkt gekommen. „Wir haben jetzt die Chance, dieses Kapitel für beide Völker abzuschließen.“ Wichtig sei ihm, mit Deutschland auf Augenhöhe und freundschaftlich zusammenzukommen.

Deutschland sieht das Thema allerdings als erledigt an; die Bundesregierung stützt sich dabei auf den 1990 zur Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag, in dem es heißt, es seien „keine weiteren Reparationen“ vorgesehen. Die Frage nach Reparationen sei juristisch wie politisch abschließend geregelt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.