Die Zerstörung der Nationalstaaten

04.01.2017

Die aktuelle Situation in Europa stellt nichts Besonderes dar. Alles wurde vorhergesagt und das sogar mehrere Male. Und auch von den Menschen, die in diesem Weltteil unterschiedliche Ansichten über das politische System haben.

Der einzige Unterschied besteht darin, dass einige in der Schaffung des EU einen Systemfehler gesehen haben, während andere hier nur einen Zwischenschritt für den weiteren Prozess des Zerfalls der Nationalstaaten und die Schaffung einer globalen Zivilgesellschaft sehen. Zwei Standpunkte werden nun in der europäischen Krise verkörpert und die weitere Entwicklung ist von der geopolitischen Entwicklung abhängig.

Betrachten wir zwei Fälle anhand spezifischer Beispiele. Zum Vergleich nehmen wir Ideen, die in zwei Werken mit ähnlichem Titeln zum Ausdruck gebracht worden sind, nämlich „The Breakdown of Nations“ und „The breaking Nations“. Das erste wurde im Jahr 1957 und das zweite im Jahr 2003 veröffentlicht. Das erste Buch wurde von einem Rechtsanwalt, Ökonom und Politologe österreichischer Herkunft namens Leopold Kor geschrieben, der etwa 20 Jahre lang als Professor für Ökonomie und Öffentliche Verwaltung an der Universität von Puerto Rico tätig war und die Bewegung „Klein – Perfekt“ inspiriert hat.

Er selbst nannte sich philosophischer Anarchist, obwohl er nie anti-staatlichen Aktivitäten befürwortet hat. Er war ein Gegner von Großprojekten, einschließlich der europäischen Integration. Leopold Kor hat im Jahr 1941 nicht nur den Irrtum eines übernationalen Systems in Europa, sondern auch den Zusammenbruch der Sowjetunion vorhergesagt.

Auch während des Zweiten Weltkrieges, analysierte er das Gleichgewicht von ethnischen Gruppen und hat festgestellt, dass sowohl die Nazi-, als auch das Sowjetregime zum Fiasko verurteilt waren. Wie wir sehen, war dies eine genaue Analyse. Ziemlich präzise formuliert Kor die Schweizerische Eidgenossenschaft, die nicht eine Konföderation von ethnischen und sprachlichen Gruppen, sondern eine Konföderation von Regionen ist.

In der Tat ist die Grundlage der Existenz der Schweizer und das Prinzip der Koexistenz verschiedener ethnischer Gruppen nicht eine Vereinigung der drei Nationalitäten, aber es ist der Verband der 22 Staaten, der eine Trennung der Nationalitäten repräsentiert und somit die wesentliche Voraussetzung für jede demokratische Föderation schafft. Die Größe der Schweizer Idee liegt deshalb in der Kleinheit ihrer Zellen, aus denen sie ihre Garantie zieht. Menschen, die für die Vereinigung der Völker in Europa auftreten, weil sie glauben, dass ein solches Bündnis bereits in der Schweiz umgesetzt wurde und damit seine Durchführbarkeit bewiesen hat, haben nie ihre ausgezeichneten Schemas nach dem Prinzip der kleinen Kantone oder der kleinen staatlichen Souveränität aufgebaut.

Die Nationale Idee hat so stark die Köpfe der politischen Denker besetzt, dass sie den Begriff des Staates, der viel flexibler, anpassungsfähiger und für mehrere Bereiche anzuwenden ist, als die Nation, völlig außer Gebrauch gesetzt haben. In der Tat wollten sie stets nur das Größere sehen und haben die kleinere Objekte als Quelle allen Übels und des Bösen gesehen. Wir haben es gelernt, die Vereinigungen von Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland zu loben, in der Hoffnung, dass sie uns eine einheitliche Menschheit gebären werden. Aber sie haben nur die Großmächte erschaffen" - schrieb er in seinem Werk " Die Trennung - Sofort".

Kor setzt sich für ein Prinzip der Kleinstaaterei ein. Er wies darauf hin, dass niemand weiß, was wirklich unter dem Begriff "Menschheit" zu verstehen ist und warum sollten dann jemand dafür sterben. Unionismus wird nichts Gutes zur Folge haben. Unionismus - ist nur ein weiterer Ausdruck des Totalitarismus. Dies ist ein Ein-Parteien-System, das auf den internationalen Bereich übertragen wird. "Nicht nur die Geschichte, sondern auch unsere eigene Erfahrung hat uns gelehrt, dass die wahre Demokratie in Europa nur in kleinen Staaten erreicht werden kann. Nur dort, wo jeder Einzelne seinen Platz und seine Würde aufrecht erhalten kann. Und wenn die Demokratie eine würdige Idee ist, dann müssen wir die Bedingungen neu erstellen, die für die Entwicklung eines kleines Landes und die Souveränität notwendig sind - bis hin zu der kleinen Gemeinde. So wird es einfacher sein, kleine Staaten unter einem kontinentalen föderalen System zu vereinen und damit alle diejenigen zu befriedigen, die nach allgemeinen Prinzipien leben wollen.

Dieses Europa wird eine fruchtbare Inspiration und ein großes Bild werden, im Gegensatz zum aktuellen Bild, das von einem schwachen Muster ausgeht. Es wäre wie ein Mosaik mit faszinierenden Variationen und einer großen Vielfalt, aber zugleich die Harmonie des organischen und lebendigen Ganzen. " Aber das ist fast die gleiche Idee der Eurasischen Konföderation, nur in anderen Worten ausgedrückt! Doch sein bekanntestes Werk war das Buch "Die Zerstörung der Nationalstaaten." Darin brachte er die philosophischen, politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und administrativen Argumente zugunsten der kleinen Akteure. Im Kapitel über philosophische Fragen sagte er: "Es ist kein Zufall, dass die Kleinheit nicht nur eine Bequemlichkeit ist. Es ist das Design Gottes und das ganze Universum wurde darauf gebaut. Wir leben in einem Mikrokosmos, nicht in einem Makrokosmos. Exzellenz wurde nur den wenigen gegeben. Nur in Richtung Minuskel können wir jemals zu einem Ende kommen, zur endgültigen Grenze, wo wir das letzte Geheimnis der Existenz uns vorstellen können. Auf dem Weg zum Enormen, kommen wir zum nichts. Wir können endlos addieren und multiplizieren, immer größere Zahlen und Substanzen produzieren, aber so auch nie das Ende erreichen, denn es gibt nichts, das nicht zweimal erhöht werden kann, denn im physischen Sinne bedeutet „verdoppeln“: der Zusammenbruch, Verfall, eine Katastrophe.

Es gibt eine unsichtbare Größengrenze, bei der Materie sich nicht mehr ansammeln kann. Nur nicht existierende mathematische Schatten können irgendwo eindringen. Die Trennung, im Gegenteil, führt schließlich zur vorhandenen, wenn auch unsichtbaren, endlichen Natur der Dinge, zu den Partikeln, die unzertrennbar sind. Sie sind die einzige Substanzen, welche die Schöpfung mit der Einheit ausgestattet hat. Nur sie sind unteilbar, unzerstörbar, ewig. Lukrezius nannte sie primäre Körper in seiner "Natur der Dinge".“ Obwohl auf den ersten Blick scheint es, dass Kor die Ideen von Demokrit und Unteilbarkeit der einzelnen anspricht (was in gewissem Sinne auf die Praxis des Liberalismus und des Multikulturalismus übertragen werden kann). Dies ist es nicht. Zur Enttäuschung für viele Anarchisten, die Nihilist- Materialisten, hat Leopold Cor immer von Gott und seinen Willen gesprochen, die man von der Position der staatlichen Organisation verstehen soll. "Es gibt zwei Möglichkeiten das Gleichgewicht und die Ordnung zu erreichen. Eins davon ist die Stabilität und die andere das mobile Gleichgewicht. Wenn sie richtig durchgeführt werden, sind beide selbstregulierend.

Das stabile Gleichgewicht ist stagnierend und überwältigend. Es schafft Gleichgewicht zwischen zwei Sachen, feste und konstante Beziehungen zueinander, wie das Haus zum Land oder der Berg zum Tal. Statt Harmonie zu schaffen, bildet es einzelne Teile in der Einheit. Da das Gleichgewicht starr und fixiert ist, kann es als ein universelles Prinzip nur dann verstanden werden, wenn das Universum fixiert und leblos ist. Dann wäre nur die Existenz von nur wenigen großen Körpern sinnvoll, und was das betrifft, würde auch nur eines ausreichen.

Aber in der Weite des bodenlosen Abgrunds der Schöpfung könnte dieser Körper nur durch den bewussten Willen Gottes selbst erhalten werden, der es in seinen Händen halten müsste, damit er nicht ins Nichts fällt. Da dies eindeutig nicht Teil seiner Absicht ist, hat er stattdessen ein bewegliches, atmendes und dynamisches Universum geschaffen, wo die Aufrechterhaltung nicht in der Einheit und Harmonie liegt, und nicht auf einem stabilen Gleichgewicht der Toten, sondern auf dem mobilen Gleichgewicht der Lebendigen ruht. Im Gegensatz zu dem stabilen Gleichgewicht, ist dieses Gleichgewicht selbstregulierend. Nicht aufgrund der Immobilität seiner Verhältnisse, aber aufgrund der Koexistenz von unzähligen kleinen mobilen Einheiten, von denen keine genug Masse akkumulieren kann, um die Harmonie des Ganzen zu stören. "

Kor bringt den politische Aufbau in Verbindung mit der Idee der inneren Demokratie, die auf die Gemeinschaft angewiesen ist. "Ein kleiner Staat in seiner inneren Natur ist demokratisch... ein demokratischer Herrscher eines kleinen Staates ist, kann man sagen, Nachbar der Bürger". Kors Ideen werden selten zitiert, obwohl das Beispiel der Schweiz als Beweis für die Gültigkeit seiner Ideen dienen könnte. Man kann hinzufügen, dass die Mehrheit der heutigen Nationalstaaten Europas auch vollständig defragmentiert werden sollten, um den bürgerlichen Geist des falschen Nationalismus, der in der Aufklärung intensiv die Traditionen und die Kultur der Völker Europas zerstörte und auf ihren Platz die Bürokratie aufgesetzt hat.

Der Autor eines anderen Buches mit dem gleichen Namen - Breaking the Nations: Ordnung und Chaos im einundzwanzigsten Jahrhundert – ist ein britischer Diplomat und Strategietheoretiker Robert Cooper. Zum Zeitpunkt der Erscheinung seiner Arbeit im Jahr 2003 war er als Generaldirektor für außen- und politisch-militärische Angelegenheiten im Generalsekretariat des Rates der EU tätig.

Trotz der ähnlichen Titeln, Ideen und Ansätze in den beiden Werken sind sie völlig verschieden. Während Kor die Souveränität von Unten zu stärken pflegt, meint Cooper im Gegenteil, dass die Souveränität möglichst zerstört werden sollte. "Die Souveränität im postmodernen Zustand, ist Recht auf einen Platz um den Verhandlungstisch," - sagte er. Ein großer Teil seiner Arbeit ist umstritten. Zum Beispiel stellt er fest, dass "Liberalismus und Nationalismus können Hand in Hand gehen, wie es im 18. und 19. Jahrhundert in den Ländern war, die sich langsam von einer oder der anderer Form der imperialen Herrschaft verabschiedeten." Warum ist das möglich? Um dauerhaft die nationale Kultur zu zerstören oder die Bewegungen und Parteien zu manipulieren, die nationale Identität ansprechen? Es scheint, dass Cooper beides im Sinn hatte. Im zweiten Teil meint er, dass "die meisten Menschen sich vor den Ideen und nicht vor der Gewalt verneigen ". Aber später im selben Kapitel heißt es, dass "die europäischen Institutionen der internationalen Zusammenarbeit stärken die Souveränität, indem sie Sicherheit stärken... die EU-Vereinbarung über die Sicherheit und öffentliche Ordnung sieht Polizeiarbeit auf der Gelände von anderen Ländern vor." Wo ist hier die Hegemonie der Rechte und Ideen, auch wenn "die EU-Mitgliedstaaten die exklusive Rechte auf die Verabschiedung von Gesetzen verloren haben"?

Vorsichtig spricht er von Islam, der zur Grundlage für einen neuen Imperialismus werden könnte. Und erwähnt auch den Pazifik, wo es auch eine Anfrage zu einer Vereinigung geben kann. Beides, nach Cooper, stellt eine Bedrohung für die Interessen des Westens und für den Westen selbst dar. Dementsprechend verteidigt Cooper die Ideen der westlichen Hegemonie, die in etwas Neues verwandelt wird. Für ihn ist der Staat ein Inbegriff der postmodernen Ideen des Liberalismus, der auf der vorigen Stufe mit den verschiedenen Formen der kollektiven Identität, wie ethnische, rassische oder nationale Zugehörigkeit, kämpfen musste.

Cooper meint, dass der Kommunismus und der Faschismus versuchten die Auswirkungen der Modernisierung der Gesellschaft, die durch die Ideen der Aufklärung und technologischen Innovationen der industriellen Revolution erschienen sind, zu bremsen. Daher kommt seine Überzeugung, dass alle industrielle und postindustrielle Ländern das Potenzial für das Postmoderne haben. Zum Schluss zeigt er die Karte und bestätigt die Notwendigkeit des Sieges von Einzelnen. "Chaos wurde durch ein Reich bezwungen, das Reich wurde durch Nationalismus gebrochen, der Nationalismus gibt hoffentlich sein Platz dem Internationalismus ab. Das Endziel ist die Freiheit des Individuums.". Auf der gleichen Seite sagt er, dass er von einer offenen Gesellschaft spricht, die in der Tat dem Postmodernen gleich ist. Das ist das gleiche, wovon George Soros spricht und was er durch verschiedene Projekte zu realisieren versucht. Darüber hinaus macht Cooper ein Geständnis in Bezug auf die Interessen der USA und auf den Unterschied zwischen der amerikanischen und der europäischen Wahrnehmung der Realität. "Die europäische Länder sind auf ihre Nationalität und Geschichte orientiert.

Für Amerikaner ist die Geschichte ist Unsinn. Sie sind nicht auf die Kolonisierung des Raums ausgerichtet, sondern auf die Kolonisierung der Zeit, das heißt - der Zukunft.“ Diese Kolonisation wurde in Westeuropa durch ein System der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Abhängigkeit von Washington erfolgreich umgesetzt. "Der amerikanische Plan war die Entwicklung der globalen Gemeinschaft der offenen Märkte und der internationalen Institutionen, in dem die Vereinigten Staaten eine führende Rolle spielen würden. Im Großen und Ganzen haben die Vereinigten Staaten diese Ziele durch den Marshall-Plan, die Schaffung der Europäischen Union, der internationalen Finanzinstitutionen, insbesondere der IWF und der Weltbank erreicht" .

Merken Sie sich den Ausdruck "die Schaffung der Europäischen Union"! Haben die europäische Ländern, die mit Union der Kohle und Stahl angefangen haben, verstanden, dass hinter all dem die Amerikaner waren? Natürlich könnten einige Akteure in der Lage sein einen gewissen Nutzen aus einer solchen Vereinigung zu bekommen, aber für wie lange? Die Zerbrechlichkeit der Europäischen Union hat sich bereits in Brexit, in der Unfähigkeit die Migrantenprobleme und Terroranschläge zu bewältigen, sowie in der Abhängigkeit einiger Länder vom Diktat der Finanz-Kommissare gezeigt. Und welche unmittelbare politische Entwicklung bietet Robert Cooper an? "In der Politik ist es notwendig die Züge des vormodernen zurück zu halten; Versöhnung der Interessen ist mit modernen Staaten möglich, aber dauerhafter Frieden kann nur durch den postmodernen Zusammenguss der Identitäten kommen“ – schreibt er. Für die EU bedeutet dies eine Fortsetzung der Erosion des Kulturcodes aller Völker und Länder, mit dem Ergebnis, dass es zu einer Art von Homo Politicus kommt. Dies ist aber nur in der Theorie.

In Wirklichkeit wird die schwache Identität durch die stärkere weggedrungen, wie wir auf dem Beispiel der vielen Migranten sehen, die sich als Träger des Islam manifestieren und respektlos mit den indigenen Europäern umgehen. Vielleicht wird diese Aggression von außen den Menschen in Europa helfen, ihre Rolle in der Geschichte der Welt zu überdenken, und sie werden versuchen, ihre alte Identität und Souveränität so weit wie möglich unter den gegenwärtigen Umständen neu herzustellen.