Rede an die Nation: Putin erklärt seine neue Weltordnung

01.12.2016

Russlands Präsident Wladimir Putin hat im Kreml in Moskau seine jährliche Rede an die Nation gehalten. Anwesend waren die Abgeordneten beider Parlamentskammern, aber auch die Regierung, Gouverneure, Spitzenvertreter von Wirtschaft und Gesellschaft in Russland. Der Auftritt im goldverzierten Georgssaal des Kremls wurde zudem im Fernsehen übertragen.

2014 sprach Putin vor allem über den Erfolg, dass Russland die ukrainische Halbinsel Krim zurückgewonnen habe. 2015 ging es um Innenpolitik und Wirtschaft sowie den Streit mit der Türkei nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets im syrischen Grenzgebiet.

Putin über ...

... die Flüchtlingskrise:

„Es gibt natürlich Länder, in denen zunehmend Anarchie herrscht. Es gibt Tragödien und Opfer, es gibt Enttäuschungen. Sorge ruft hervor, dass es selbst in den wohlhabendsten Ländern Konflikte auf religiöser […] Ebene gibt. Das führt zu einer Migrationskrise, die die europäischen Länder gespürt haben.“

... Patriotismus und nationale Einheit:

„Russland muss viele Probleme bewältigen, […] aber die Bürger haben sich um patriotische Werte zusammengeschlossen. Wir sind ein geeintes Volk und haben nur ein Russland. Wir wissen alle, welche Folgen große Erschütterungen haben. Unsere Gesellschaft darf sich nicht durch Verbitterung spalten lassen.“

… die wirtschaftliche Lage Russlands:

„Wir sehen wieder Anzeichen für ein kleines Wachstum, nachdem die Wirtschaft im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent geschrumpft ist. Wir haben es geschafft, trotz der Sanktionen wirtschaftliche Erfolge zu verzeichnen. Wer hätte gedacht, dass wir mit Exporten landwirtschaftlicher Erzeugnisse mehr einnehmen würden als mit Rüstungsgütern?“

... die Sanktionen gegen sein Land:

„Sie haben versucht, uns nach fremder Pfeife tanzen zu lassen, wie wir im Volksmund sagen, damit wir unsere fundamentalen Interessen vernachlässigen. Die Hauptgründe für das Abbremsen unserer Wirtschaft sind interne Probleme.“

... den internationalen Ruf Russlands:

„Es gab Mythen, es gab anti-russische Propaganda, es gab den Ausschluss der russischen Athleten bei den Paralympischen Spielen. Aber wir wollen nicht belehrt werden. Wir brauchen einen gleichberechtigten Dialog mit anderen Ländern. Im Gegensatz zu anderen, die Russland als Feind sehen, sehen wir um uns herum Freunde.“

… eine mögliche neue Weltordnung:

„Unsere Beziehung zu China ist ein Beispiel für eine Weltordnung, die von keiner Seite dominiert wird, eine harmonische Partnerschaft. Positiv zu erwähnen ist auch die privilegierte Partnerschaft und Zusammenarbeit mit Indien. Wir suchen auch die Zusammenarbeit mit Japan. Wir sind bereit, mit der neuen US-Administration zu kooperieren. Das entspricht dem Interesse der gesamten Welt. Versuche, diese Zusammenarbeit zu untergraben, könnten zu globalen Katastrophen zu führen.“

welt.de (1.12.2016)

https://www.welt.de/politik/ausland/article159878080/Putin-erklaert-seine-neue-Weltordnung.html